Fischereilehrfahrt 2026 nach La Sologne und La Brenne

03. Juli 2026

Fischereilehrfahrt 2026 nach La Sologne und La Brenne

Vom 3. bis 7. Juni 2026 führte die traditionelle Fischereilehrfahrt von ARGE FISCH, TEGOF und dem Fischerzeugerring Oberpfalz 53 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die französischen Teichregionen La Sologne und La Brenne. Mit dabei waren Teichwirte, Fischverarbeiter, Vertreter von Verbänden und Behörden sowie engagierte Naturschützer aus mehreren Bundesländern. Wie jedes Jahr standen neben den Betriebsbesichtigungen vor allem der fachliche Austausch und das gegenseitige Lernen im Mittelpunkt.
Bereits während der Anreise entwickelte sich ein intensiver Erfahrungsaustausch über die Zukunft der Teichwirtschaft. Dieser setzte sich während der gesamten Reise in zahlreichen Gesprächen mit den französischen Gastgebern fort und eröffnete neue Blickwinkel auf gemeinsame Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze.

La Sologne – vom Karpfen zum Kaviar

Erstes Ziel war die traditionsreiche Teichlandschaft der Sologne mit rund 12.000 Hektar Wasserfläche. Heute werden viele der Teiche nur noch extensiv bewirtschaftet oder dienen als Jagdreviere. Entsprechend gering ist die Fischproduktion.
Umso beeindruckender war der Besuch des Betriebs „Caviar de Sologne“. Betriebsleiter Monsieur Hennequart schilderte eindrucksvoll, wie die zunehmenden Kormoranschäden die traditionelle Karpfenproduktion nahezu unmöglich machten. Mit der Spezialisierung auf die Zucht des Sibirischen Störs und die Herstellung hochwertigen Kaviars gelang dem Familienbetrieb jedoch ein erfolgreicher Strukturwandel.
Bei der Besichtigung erhielten die Teilnehmer faszinierende Einblicke in die Aufzucht der Störe, die Kaviarproduktion und die Vermarktung. Die große Offenheit, mit der Fachwissen weitergegeben wurde, beeindruckte ebenso wie die anschließende Verkostung von Kaviar und weiteren Störspezialitäten.

Naturerlebnis Loire

Ein weiterer Höhepunkt war die Fahrt mit traditionellen Fischerbooten auf der Loire, dem letzten großen frei fließenden Strom Westeuropas. Berufsfischer und Wissenschaftler erläuterten Fangmethoden, Fischbestände und die ökologischen Herausforderungen des Flusses. Besonders eindrucksvoll war das Einholen einer Langleine mit kapitalen Welsen. Ein gemeinsames Mittagessen mit frisch zubereitetem Loire-Hecht rundete dieses außergewöhnliche Naturerlebnis ab.

Die Brenne – Tradition und Innovation

Die Brenne zählt mit über 3.000 Teichen und rund 9.000 Hektar Wasserfläche zu den bedeutendsten Teichlandschaften Europas. Die Region verbindet jahrhundertealte Teichwirtschaft mit einzigartiger Biodiversität und gilt als internationales Feuchtgebiet von besonderer Bedeutung.
Während mehrerer Betriebsbesichtigungen erhielten die Teilnehmer umfassende Einblicke in die französische Teichwirtschaft. Besucht wurden ein Fischvermehrungsbetrieb, moderne Verarbeitungsunternehmen sowie mehrere Teichwirtschaften mit unterschiedlichen Betriebsstrukturen. Beeindruckend war das enge Zusammenspiel von Teichbesitzern, Fischzüchtern, Fischern und Vermarktern. Moderne Technik, konsequente Arbeitsteilung und eine professionelle Vermarktung regionaler Fischprodukte sichern die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe.
Besonders hervorzuheben ist die hohe Wertschätzung regional erzeugter Lebensmittel. Fisch, Käse, Wein und weitere Spezialitäten werden in Frankreich mit großem Stolz präsentiert und erfolgreich vermarktet. Diese konsequente Regionalität hinterließ bei allen Teilnehmern einen bleibenden Eindruck.

Gemeinsame Herausforderungen

Trotz unterschiedlicher Strukturen stehen die französischen und deutschen Teichwirte vor ähnlichen Problemen. Klimawandel, Wassermangel, Kormorane, invasive Arten, wirtschaftlicher Druck und zunehmende gesetzliche Anforderungen beschäftigen die Betriebe gleichermaßen. Die Gespräche machten deutlich, dass viele Lösungen nur im gemeinsamen Austausch entwickelt werden können.
Auch die Besuche im Naturpark Brenne und an historischen Teichanlagen zeigten eindrucksvoll, dass Naturschutz und traditionelle Nutzung keine Gegensätze sein müssen. Vielmehr kann die einzigartige Kulturlandschaft nur erhalten werden, wenn die Teichwirtschaft auch künftig wirtschaftlich betrieben werden kann.
Den Abschluss der Lehrfahrt bildete der Besuch der fast tausendjährigen Zisterzienserabtei Fontenay. Sie erinnerte eindrucksvoll daran, welch bedeutenden Beitrag die Klöster des Mittelalters zur Entwicklung der europäischen Teichwirtschaft geleistet haben.
Die Fischereilehrfahrt 2026 bot zahlreiche fachliche Anregungen, intensive Diskussionen und wertvolle persönliche Begegnungen. Die herzliche Gastfreundschaft der französischen Gastgeber und die Einladung zum weiteren Austausch bilden eine hervorragende Grundlage für die Fortsetzung der deutsch-französischen Zusammenarbeit in der Teichwirtschaft.

Ein besonderer Dank gilt unserem Reiseleiter Hans Klupp, der diese Lehrfahrt mit großem Engagement vorbereitet und organisiert hat. Mit seinem beeindruckenden fachlichen Wissen über Teichwirtschaft und Fischerei sowie seinen umfangreichen Kenntnissen der französischen Geschichte, Kultur und Landschaft machte er die Reise zu einem besonderen Erlebnis. Seine Erläuterungen während der Busfahrten und an den einzelnen Stationen vermittelten nicht nur interessante Fakten, sondern stellten historische, kulturelle und fischereifachliche Zusammenhänge anschaulich dar. Seine lebendige und kompetente Reiseleitung war für alle Teilnehmer von unschätzbarem Wert und hat wesentlich zum Erfolg dieser Lehrfahrt beigetragen.
So bleibt die Lehrfahrt 2026 nicht nur als fachlich äußerst wertvolle Exkursion in Erinnerung, sondern auch als eindrucksvolles Beispiel dafür, wie wichtig der internationale Austausch, gegenseitige Offenheit und persönliche Begegnungen für die Zukunft der europäischen Teichwirtschaft sind.

 

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